Die grundlegende Idee, die zu der Gestaltung des Kiesgartens geführt hat, ist die, dass eine Pflanzung entstehen sollte, die mit nur geringem Pflegeaufwand erhalten werden kann. Da die Pflege ehrenamtlich durchgeführt wird, ist zu beachten, dass diese ein gewisses Quantum an Zeit nicht überschreitet. Der grundsätzliche in der Finanzsituation des Bezirks begründete Verzicht auf eine künstliche Bewässerung stellt eine weitere Einschränkung für die Pflanzung dar. Gerade durch die Sonnen- und Windexponiertheit des Platzes ist das als gravierender Standortfaktor anzusehen.
Um nun den Pflegeaufwand so niedrig wie möglich zu halten, ist es notwendig, dass die ausgesuchten Pflanzen (Zielarten) unter den Standortbedingungen möglichst konkurrenzstark sind. Das bedeutet, dass diese weitgehend ohne Eingriffe wie Wässern und Jäten auf der Fläche überleben und sich ausbreiten können. Gleichzeitig sollte der Standort so beschaffen sein, dass sich unerwünschte Wildkräuter nur erschwert etablieren können, also unter den gegebenen Bedingungen konkurrenzsschwach sind. Der reduzierte Pflegeaufwand wird demnach durch eine spezielle Standortvorbereitung erreicht. Wildkräuter sollen unterdrückt, Zielarten hingegen gefördert werden.
Benötigen eingetragene Wildkräuter im Allgemeinen eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung, so weisen die vorhandenen Standortbedingungen (keine Bewässerung, Sonnen- und Windexponiertheit) eher auf gestörte Verhältnisse hin. Mit dem Ziel, das Eintragen dieser Wildkräuter auszuschließen, empfahl es sich, die Störungen noch zu verstärken. Durch das Abfahren des vorhandenen Oberbodens, dem Ersatz mit magerem Substrat sowie der zusätzlichen Aufbringung einer Kiesschicht entstand ein Standort, dessen Wasser- und Nährstoffversorgung in den oberen 15-20 cm zusätzlich gestört wurde. Die Voraussetzungen zur Etablierung von eingetragenen Samen, Pflanzen oder Pflanzenteilen sind somit durch die Standortvorbereitung eingeschränkt, was zu einem verminderten Pflegebedarf führt.
Die Hauptgewichtung liegt nun auf der Auswahl der Zielarten, die im Gegensatz zu den unerwünschten Wildkräutern genau unter diesen Bedingungen konkurrenzsstrak sein sollen. Trockenheitstolleranz aber auch interessante Texturen oder Strukturen sind neben dem attraktiven Blühverhalten Auswahlkriterien. Sollte es dazu kommen, dass eine Art ausfällt, ist es gewollt, dass die verbleibenden Arten durch starkes Wachstum den neu entstanden Standort einnehmen und somit etwaige Lücken schließen.
Fehlender Schatten und das Ausbleiben einer Zusatzbewässerung werden für die Pflanzen in den Sommermonaten einen Härtetest darstellen. Die Kiesschicht hat diesbzgl. einen positiven Nebeneffekt. Stört sie in den oberen Bereichen die Kapillarität des Standortes und führt so zu einer trockenen Schicht, in der sich eingetragene Pflanzen, Pflanzenteile oder Samen nur erschwert etablieren können, hält sie zugleich die Feuchtigkeit im anstehenden Boden. Gleich einer Mulchung wird das darunter liegende Erdreich vor Sonne und Wind und somit vor dem Austrocknen geschützt. Die Bodenfeuchte wird sich in den Sommermonaten also wesentlich länger als auf ungemulchten Flächen erhalten lassen. Schon etablierte Pflanzen, also eingewachsene Arten, die mit ihren Wurzeln das darunterliegende Erdreich erreicht haben, werden durch die Splittschicht zusätzlich vor dem Vertrocknen geschützt.
Hinter diesem theoretischen Aufbau verbirgt sich die vegetationsökologische Theorie von J.P. Grime. Durch die Modifizierung des Standortes zu einem stressgeprägten Standort werden stressintolerante Arten in ihrer Entwicklung gehemmt. Unter Stress wird die Reglementierung aller zum Wachstum benötigten Stoffe verstanden. Mangel, Überfluss oder ein unregelmäßiger Versorgungsimpuls zählen dazu.
Unter stressintoleranten Arten werden in diesem Fall eingetragene Wildkräuter eingestuft. Um sich zu etablieren, benötigen diese im Anfangsstadium eine gleichmäßige Wasser- bzw. Nährstoffversorgung. Durch die Modifizierung zum Stress-Standort wird dies jedoch unterbunden. Ein geringerer Pflegebedarf des Kiesgartens ist die Folge.
Die Kiespflanzung am Bersarin Platz ist somit ein Ansatz, aus einer vegetationsökologischen Therorie Planungsgrundsätze abzuleiten und diese in der konkreten Pflanzenverwendung anzuwenden.
Für weitere Informationen siehe auch:
- Grime,J.P.; 2001; Plant Strategies, Vegetation Processes and Ecosystem Properties; John Wiley &Sons, Ltd., Chilchester
- Köppler,M.-R.; 2005; Anwendung vegetationsökologischer Theorien auf die Pflanzenverwendung; Diplomarbeit, eingereicht am Fachgebiet Ingenieurbiologie der Technischen Universität Berlin
- Schmidt, C.;2006; Ökologische Strategien und Pflanzenverwendung; in:Gartenpraxis 3/2006,
- Schmidt, C.; 2006; Ökologische Strategien und Staudenpflege, in: Gartenpraxis 4/ 2006, 28-35